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2000 - 2003
Frank Dietze
last update: 31-12-02
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Aikido in Detroit
Author: Frank Dietze, erschienen im Aikido Journal 3/99
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Letzte Woche [1] hatte ich geschäftlich in den USA, genauer gesagt in
Livonia, einem Vorort von Detroit, Michigan zu tun. Der eigentliche Anlass
der Reise sollte nur einen Vormittag in Anspruch nehmen.
Wegen der anstehenden Ferien waren die Flieger jedoch ziemlich ausgebucht und
so musste ich mir zwei Tage irgendwie die Zeit vertreiben bis zum Rückflug.
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Daran war eigentlich nichts auszusetzen, ausser, dass ich dadurch einige Tage
meine beiden Mädels nicht sehen würde und, fast genauso tragisch,
eine Woche nicht zum Aikido-Training gehen könnte. Da kam natürlich
sofort die Idee auf, vor Ort nach einem Dojo zu suchen, um eventuell dort
mittrainieren zu können.
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Also zunächst mal das Internet befragen: Treffer, es sollte mehrere
Dojos geben. Folglich werden Gi, Obi und Zori eingepackt und die
Benutzung des größeren Koffers - der ist normalerweise meiner Frau
vorbehalten - unausweichlich.
Aus dem Hotel versuchte ich dann, bei den Adressen, die ich aus dem
Internet hatte, telefonisch abzuklären wie die Trainingszeiten sind
und bekam vorerst einen Dämpfer: Zwei der Martial Arts Academy's
boten gar kein Aikido an ("Only Käreytie") und die dritte,
eine Aikikai, war überhaupt geschlossen. Typisch Internet eben!
So- dachte ich mir- dann frag' ich eben jemanden der was davon versteht
und schlug in den Yellow Pages nach unter »Martial Arts«:
Bingo! »Tenchi Shin Japanese Aikido and Iaido« - und das laut
Stadtplan mal gerade 20 Kilometer weit weg. Angerufen - und - nur die
Maschine dran, Sh....t!
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Nach Abendessen und erstem Einkaufsbummel bin ich dann einfach mal
vorbeigefahren und siehe, es ward mir aufgetan.
Das Dojo liegt, wie alles in Amiland, was nicht sowieso als Drive-In
ausgelegt ist, direkt an der Strasse. Der benachbarte Parkplatz könnte
auch als Ausweichlandebahn für den Metropolitan Airport herhalten.
Die Front ist eine einzige große, unverhängte Glasscheibe, so dass der
vorbeiströmende Verkehr einen kurzen Blick auf die seltsam gewandeten
Gestalten dahinter werfen kann. Zunächst aber finde ich nur einen Mann,
etwa Mitte dreissig, vor, der ziemlich lustlos Laub aus dem Eingangsbereich
der Martial Arts School auf die Straße fegt. Es ist der Sensei - so
bezeichnet er sich selbst - Albert Betzler, der hier Hand anlegt.
Selbstverständlich könne ich mittrainieren; es gibt jeweils von
11 bis 12 Uhr morgens und von 7 bis 8 Uhr abends eine Aikido-Klasse.
Morgens ist vorher eine Stunde
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Iaido, abends werden nach dem Aikido die Schwerter für eine Stunde geschwungen. Er
stellte mir frei, alle Klassen zu besuchen, die ich wolle. Verlangen
würde er nichts für einen Gastschüler aus Germany. Ich
sage für Donnerstagabend zu.
Albert Betzler hält einen dritten Dan in
Aikido und einen ersten Dan im Toyama-Ryu-Iaido. Er war Schüler
von Katsumi Niikura Sensei ab 1988 und hat 1993 mit diesem zusammen
verschiedene Police Departments in Festnahme-Techniken unterrichtet.
Er ist derzeit in der Ausbildung zum Police Detective, unterrichtet
weiterhin an Polizeischulen und seit 1994 in seinem Dojo in der 5 Mile
Road. Er verlangt für seinen Aikido-Unterricht $60 im Monat,
$162 für drei Monate oder $600 für ein Jahr; Iaido kostet die
Hälfte. Wie sein Name vermuten lässt, hat er deutsche Vorfahren
- die Grosseltern sind aus Oberkochen. Selbst hat er es nach Europa bisher
nur einmal und dann
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nur bis Schottland geschafft. Der dortige Linksverkehr
schreckte ihn ab, sich in andere Gebiete vorzuwagen, in denen er zudem noch nicht mal ein Wort
verstehen würde... Ich kläre Ihn ein wenig auf über
Napoleon, den Rechtsverkehr und - ja, er fragt danach - über die Autobahn.
Donnerstag 6:30 p.m. Ortszeit betrete ich das Dojo. Meine innere Uhr
schlägt bereits 0:30 Uhr morgens. Die Umkleidekabine in der
Jeansabteilung bei SEARS war grösser als die, in der ich nun meinen Gi
anlege. Es gibt keine Dusche, nur ein kleines Waschbecken in der Toilette.

Als ich die Matte betrete, falle ich beinahe um. Weich wie ein
Hamburger-Brötchen. Fünf Meter lang und vier Meter von Wand zu Wand.
Ein weiterer Schüler ist noch da: Jim, betreibt seit zwei Monaten
Aikido. Während des
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Aufwärmens, das jeder für sich selbst
erledigt, gesellt sich noch Brad, ein 3ter kyu, hinzu. Er kuriert gerade
eine Knieoperation aus und wollte sich eigentlich nur mal sehen lassen.
Er zieht sich nicht um und trainiert in Shorts und T-shirt - wir hatten 27
Grad, Celsius wohlgemerkt - ein wenig mit.
Abknien, Gruss und Konzentrieren sind wie Zuhause. Gegrüsst wird
jedoch nur der Trainer und nicht extra noch die Kamiza mit dem dort
hängenden Bild von Ueshiba Morihei. Ein
bisschen Fallschule, ein paar Sabaki, dann gehts schon in die Techniken:
irimi-nage, kote-mawashi und ude-osae sind mir natürlich bekannt, die
Details der Ausführung sind es, an denen sich Unterschiede zeigen.
Offenbar ist es in dieser Schule streng üblich, dass jeder Partner
seine Technik nur jeweils
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einmal links und rechts durchführt und dann die Rollen gewechselt
werden. Da wir zu Dritt sind, scheidet danach einer der Partner aus und
der Dritte steigt ein. Da jeder Partner an- und abgegrüsst wird,
sieht das ganze von aussen wahrscheinlich aus wie der Wachwechsel vor dem
Buckingham Palace. Aber es macht grossen Spass.
Al ist sehr höflich - sagt ausnahmslos immer »please« und
»gentleman« und lobt jede einzelne Ausführung. Auch seine
Kritik ist durchwegs respektvoll und inhaltlich fundiert. Leider sind die
sechzig Minuten zu bald um. Der Abschied ist herzlich und ich denke, dass
war nicht aufgesetzt. Dem anschliessenden Iaido-Unterricht von
2 Schülern sah ich nur einige Minuten zu und ging dann in die Umkleide.
Dort baumelte neben meinen Klamotten ein Schulterholster mit einer
Handfeuerwaffe darin...it's America!
Ich kann nur jedem empfehlen, bei ähnlicher Gelegenheit seine etwaige
Scheu abzulegen und in einem ausländischen Dojo mitzutrainieren.
Für mich wird die nächste Gelegenheit im November sein, in Las
Vegas.[2]
[1] im Mai 1999
[2] wegen Arbeitgeberwechsel wurde daraus
leider nichts :-(
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